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Berliner Stromausfall: Pflegebranche fordert bessere Krisenvorsorge

Der großflächige Stromausfall im Berliner Südwesten hat die Verwundbarkeit der pflegerischen Versorgung offengelegt. Während Träger bereits erste Konsequenzen ziehen, mahnen Pflegeverbände strukturelle Verbesserungen im Bevölkerungsschutz und eine systematische Einbindung von Pflegefachpersonen in das Krisenmanagement an.

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„Wenn der Strom ausfällt, geht es für viele pflegebedürftige Menschen um ihre Existenz, Sicherheit und Versorgung", sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. Foto: Deutscher Pflegerat

Der durch einen Anschlag verursachte mehrtägige Stromausfall in Berlin-Steglitz-Zehlendorf hat die Pflegebranche aufgerüttelt. „Wenn der Strom ausfällt, geht es für viele pflegebedürftige Menschen um ihre Existenz, Sicherheit und Versorgung“, erklärte Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. Der Vorfall zeige deutlich, wie schnell vertraute Pflegesituationen ins Wanken geraten können.

Praxistest für ambulante Versorgung

Wie gravierend die Auswirkungen waren, zeigt das Beispiel des Diakonie-Pflege Verbunds Berlin. Die zum Verbund gehörende Diakonie-Station Zehlendorf-West versorgte während des Stromausfalls weiterhin 30 Kundinnen und Kunden in deren Wohnungen. Weitere 60 pflegebedürftige Personen wurden von ihren Familien zur Betreuung nach Hause geholt. Zwei Klienten mussten in ein Krankenhaus verlegt werden, da sie auf strombetriebene medizinische Geräte wie elektrische Magensonden angewiesen waren.

Träger ziehen erste Konsequenzen

Der Diakonie-Verbund hat bereits reagiert: Für Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz wurden batteriebetriebene Lampen sowie Stromgeneratoren angeschafft. „Wir werden rekapitulieren, wie wir uns künftig darauf einstellen können“, kündigte Verbundssprecherin Jenny Pieper-Kempf an. Besonders wichtig sei eine engere Vernetzung zwischen Verwaltung und Pflegeeinrichtungen – etwa für die Bereitstellung beheizter Schlafräume und die Lieferung warmer Mahlzeiten. Der Austausch mit Kirchengemeinden habe während der Krise gut funktioniert.

Verbände fordern systematische Krisenvorsorge

Dass es in Pflegeeinrichtungen nicht zu schwerwiegenden Zwischenfällen kam, sei vor allem dem außergewöhnlichen Engagement der Pflegefachpersonen zu verdanken, betont Vera Lux, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). „Sie haben unter schwierigen Bedingungen Verantwortung übernommen und Versorgung sichergestellt – oft improvisierend, da Pflege strukturell im Krisen- und Katastrophenmanagement nicht hinreichend einbezogen wird.“

Der DBfK fordert eine systematische Vorbereitung von Pflegefachpersonen auf Krisenereignisse. Dazu gehörten Notfall- und Blackout-Pläne, regelmäßige Schulungen und Übungen, ausreichende Vorräte an Medikamenten und Verbrauchsmaterialien sowie stromunabhängige Kommunikationswege. Pflege- und Gesundheitseinrichtungen benötigten zudem dringend finanzielle und strukturelle Mittel für eine angemessene Krisenvorsorge.

„Was die berufliche Qualifikation und Kompetenzen im Krisenfall angeht, sind wir in Deutschland noch nicht so weit wie in anderen Ländern“, so Lux. Die im Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) beschlossene Erweiterung der Pflegekompetenzen sei ein wichtiger Schritt, damit Pflege im Ernstfall wirksam und selbstbestimmt handeln könne.

Pflegerat legt Expertenpapier vor

Der Deutsche Pflegerat geht in seinen Forderungen noch weiter: Pflegefachliche Expertise müsse systematisch in Krisenstäbe eingebunden werden. Gemeinsam mit dem „Runden Tisch für alle, die pflegen“ hat der Verband ein Expertenpapier zur Einbindung pflegender An- und Zugehöriger in den Bevölkerungsschutz vorgelegt.

Der Stromausfall habe sichtbar gemacht, dass Informationen zu individuellen Pflegebedarfen in Krisenlagen oft nicht verfügbar seien und die Krisenkommunikation nicht alle Betroffenen erreiche. Evakuierungs- und Schutzmaßnahmen müssten spezifische pflegerische Bedarfe künftig stärker berücksichtigen. „Der Stromausfall in Berlin war ein weiteres Warnsignal“, mahnt Vera Lux. „Jetzt braucht es entschlossenes Handeln, um Pflege, Gesundheitssystem und Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen.“