Nachrichten
Caritasverband Bocholt: Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet
Das Amtsgericht Münster hat das Insolvenzverfahren des Caritasverbandes für das Dekanat Bocholt in Eigenverwaltung eröffnet. Der Verband, der unter anderem Sozialstationen und Tagespflegen betreibt, will seine Einrichtungen fortführen. Die Ursachen der Krise dürften vielen bekannt sein.
Das Amtsgericht Münster hat das Insolvenzverfahren über den Caritasverband für das Dekanat Bocholt e.V. eröffnet und dabei die bereits angeordnete Eigenverwaltung bestätigt. Laut dem Verband werden die laufenden Geschäfte fortgesetzt; Löhne und Gehälter der Beschäftigten würden nun wieder unmittelbar vom Caritasverband selbst gezahlt. Dafür stünden nach aktualisierten Planungen ausreichende Finanzmittel bereit.
Vorständin Claudia Soggeberg, die auch im eröffneten Verfahren handlungs- und weisungsbefugt bleibt, erklärte laut einer Mitteilung des Verbandes, der Schritt in die Eigenverwaltung sei „genau der richtige“ gewesen. Nur so habe der Betrieb der Einrichtungen aufrechterhalten und stabilisiert werden können. Zugleich räumte sie ein, dass der Verband „nach wie vor mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert“ sei, die bundesweit viele Sozialverbände beträfen.
Der als Generalbevollmächtigter eingesetzte Sanierungsexperte Markus Freitag von der Kanzlei AndresPartner erklärte, die Sanierungsüberlegungen seien in den vergangenen Wochen und Monaten weiter konkretisiert worden. Der Prüfungsprozess sei jedoch noch nicht abgeschlossen; auch die Gespräche mit den Kostenträgern liefen weiter. Größere Einschränkungen bei den laufenden Einrichtungen erwarte man nicht. Ziel bleibe eine Insolvenzplanlösung, bei der die Einrichtungen fortgeführt werden. Die gerichtlich bestellte Sachwalterin Dr. Ria Brüninghoff von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH unterstütze diesen Kurs laut dem Verband im Interesse der Gläubiger:innen.
Der Caritasverband Bocholt hatte im November 2025 den Antrag auf Eigenverwaltung gestellt. Hintergrund ist laut dem Verband eine negative wirtschaftliche Entwicklung über zwei Jahre hinweg: Gestiegene Personalkosten durch Tarifsteigerungen sowie deutlich höhere Ausgaben für Energie, Lebensmittel und Dienstleistungen – bedingt durch Inflation und geopolitische Verwerfungen – hätten nicht ausreichend kompensiert werden können. Zusätzlich trübten die angekündigten massiven Kürzungen der nordrhein-westfälischen Landesregierung im sozialen Bereich die Perspektiven weiter ein.
Diese Gemengelage dürfte für Führungskräfte in der ambulanten Pflege ein vertrautes Bild sein: Die Schere zwischen steigenden Kosten und unzureichender Refinanzierung durch die Kostenträger trifft zahlreiche Sozialverbände und Pflegedienste gleichermaßen.
Der Caritasverband Bocholt ist Träger eines breiten Spektrums sozialer Einrichtungen in den Städten Bocholt, Borken, Isselburg und Rhede. Dazu zählen unter anderem Sozialstationen in Bocholt und Rhede, Seniorentagespflegen in Bocholt und Rhede sowie Wohnangebote für Menschen mit Behinderung, Kindertagesstätten und verschiedene Beratungsangebote. Der Verband steht unter der Aufsicht des Bischofs von Münster.
Das Eigenverwaltungsverfahren betrifft laut dem Caritasverband ausschließlich den Caritasverband für das Dekanat Bocholt e.V. Alle anderen Caritas-Organisationen sowie die Bocholter Tochtergesellschaft GutGrün gGmbH seien ausdrücklich nicht betroffen.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren