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„Den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen“

Bei der Anbindung der Pflege an die Telematikinfrastruktur ist von zentraler Bedeutung, dass Softwareanbieter die passenden Angebote entwickeln. Dafür muss das Zusammenspiel zwischen Anbietern und Anwendern gut funktionieren. Wie sich ein großer Softwaredienstleister den Herausforderungen stellt, machen Mark Goede und Tim Breite von der optadata-Gruppe in der Interviewserie zum Megatrend Digitalisierung deutlich.

Eine Grafik symbolisiert eine Restrukturierung anhand von Symbolen vor einem Laptop.
Ziel bei der Weiterentwicklung der Digitalisierung sei es, den Arbeitsalltag der Pflegekräfte zu erleichtern und sie durch passende Software dabei zu unterstützen, weniger Zeit am Schreibtisch hinter Papierbergen zu verbringen, sagt Mark Goede von der optadata-Gruppe. Bild: tadamichi - AdobeStock.

In welche Bereiche bzw. Prozesse in der Pflegedigitalisierung investieren Sie derzeit am meisten Forschungsarbeit und Manpower?
Mark Goede: Unser Ziel ist es, die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben. Besonders die Telematikinfrastruktur ist dabei ein wichtiger Grundstein, denn die Verwaltung und Organisation von Rezepten und Verordnungen bündelt viele Ressourcen, die durch die Einführung digitaler Lösungen deutlich verbessert werden kann. Darüber hinaus haben wir uns zum Ziel gesetzt, den Arbeitsalltag der Pflegekräfte zu erleichtern und sie durch passende Software dabei zu unterstützen, weniger Zeit am Schreibtisch hinter Papierbergen zu verbringen und sich stattdessen mehr um die Patient:innen kümmern zu können. Kurz gesagt geht es konkret um: Effizienz im Arbeitsalltag, Optimierung von Prozessen, Verbesserung der Versorgungsqualität und mehr Lebensfreude für Pflegekräfte und Patient:innen.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Pflegediensten und -einrichtungen: Bei welchen Prozessen setzen diese verstärkt auf digitale Abläufe und erwarten entsprechende technische Lösungen von Anbietern?
Mark Goede: Aktuell findet in vielen Pflegebetrieben ein Generationenwechsel statt. Gründer gehen in den Ruhestand und übergeben den Betrieb an die nächste Generation weiter. Diese Generation steht der Digitalisierung sehr offen gegenüber und hat wesentlich höher Anforderungen an den Software-Dienstleister. Zudem erwartet die neue Generation schnelle Lösungen, was in Anbetracht der gesetzlichen Bestimmungen nicht immer umgehend möglich ist. Ein Schwerpunktthema ist der Bereich der mobilen Leistungserfassung, welcher nachgelagerte Doppelerfassungen im Büro minimiert. Zudem versuchen wir über Schnittstellen aus und in die Software immer mehr Möglichkeiten zu generieren, den Pflegediensten und -einrichtungen den Alltag zu erleichtern. Gerade in den Bereichen Fort- und Weiterbildungen, Lohnbuchhaltung, Steuerberatung, live Traffic, Schnittstellen zu Anbietern wie Hausnotruf, Essen auf Rädern etc., Rechenzentren, Ärzten, kann durch Digitalisierung richtig was bewegt werden.

Wo bestehen Ihrer Ansicht nach die größten technischen Herausforderungen, die die Digitalisierung, etwa im Bereich der Telematikinfrastruktur, hemmen?
Tim Breite: Die größte Herausforderung besteht darin, alle Akteure des Gesundheitswesens in diesem Prozess mitzunehmen. Viele Kostenträger sind beispielsweise noch sehr papierlastig unterwegs. Auch bei den Leistungserbringern sind noch nicht alle Akteure bereit Prozesse digital umzusetzen, obwohl dies bereits möglich ist. Hier spielt die TI eine zentrale Rolle. Sie ist die Datenautobahn, auf der die Fachanwendungen laufen. Pilotprojekte für z.B. den elektronischen Leistungsnachweis laufen bereits mit einigen Kostenträgern.
Mark Goede: Zudem gibt es aufwendige Prozesse, wie bei der Kartenbestellung oder strukturelle Unklarheiten wie die zeitliche Verzögerung bei den Anbindungsfristen und die noch nicht stehende Refinanzierung, welche die TI etwas ausbremsen. Daher ist es wichtig, die Betriebe regelmäßig über Neuerungen aufzuklären und ihnen Lösungen aus einer Hand anzubieten. Darauf legen wir als Wegbereiter im Gesundheitssystem großen Wert. Wir versuchen den Betrieben so viel wie möglich abzunehmen. Des Weiteren müssen die Vorteile von digitalen Anwendungen wie dem eRezept und der eVerordnung verdeutlicht werden. Es ist wichtig, den Menschen die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen. Es wird in den nächsten Monaten und Jahren einiges auf die Pflegebranche zukommen in Sachen Digitalisierung. Da kann man schnell den Überblick verlieren. Wir begleiten unsere Kunden Schritt für Schritt auf dem Weg in die Digitalisierung, damit sie zuversichtlich in die Zukunft gehen können und sich auf das Wesentlich konzentrieren können – ihre Patienten.

Welche Fortschritte in der Pflegedigitalisierung sehen Sie trotz aller Hürden (Sparzwang, Bürokratie, nicht hinreichende Infrastruktur) heute schon und in naher Zukunft für die Pflegedienstleister? Was wurde bisher erreicht, was stimmt hoffnungsvoll?
Tim Breite: Die Interoperabilität des TI-Anschlusses ist von zentraler Bedeutung. Bis dato sind viele Betriebe ihren eigenen Weg gegangen, dieses wird nun mit der TI zentralisiert, so dass für jeden die Ausgangslage gleich ist. Durch den Generationswechsel ist die Bereitschaft nochmal verstärkt da, die Vorteile von digitalen Lösungen anzuwenden. Zudem gibt es Fördertöpfe für die TI sowie einen Bundestopf für digitale Neuerungen mit dem PpSG, hierzu sollten sich die Betriebe informieren.

Interview: Darren Klingbeil

 

Mark Goede ist Leitung Produktmanagement bei der optadata-Gruppe, Foto: optadata-Gruppe

Tim Breite ist Referent für Kooperationen und Verbände bei der optadata-Gruppe. Foto: privat