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Diakonie und Caritas fordern Milliarden-Förderprogramm für klimagerechte Sanierung
Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg appellieren kirchliche Wohlfahrtsverbände an die neue Landesregierung: Ohne verlässliche Investitionsmittel und bürokratiearme Förderprogramme drohe die energetische Modernisierung von Pflegeheimen, Beratungsstellen und sozialen Diensten zu scheitern. Die Verbände fordern zudem ein Bundesprogramm mit bis zu einer Milliarde Euro jährlich.
Auf ihrem 5. Nachhaltigkeitskongress unter dem Motto „Zukunft sozial – Nachhaltige Wege für die Freie Wohlfahrt von morgen“ haben Diakonie und Caritas in Baden-Württemberg am 17. März 2026 ihre Forderungen an die Politik konkretisiert. Rund einhundert Fach- und Führungskräfte trafen sich laut dem Diakonischen Werk Württemberg im Stuttgarter Haus der Wirtschaft mit Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung.
Till Kellerhoff vom Club of Rome Deutschland lieferte den inhaltlichen Rahmen. „Der Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft ist kein rein technisches Projekt, sondern ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel“, sagte Kellerhoff laut der Pressemitteilung. Ökologische und soziale Fragen müssten von Anfang an zusammen gedacht werden – gerade weil der Wandel in eine „ungleiche und polarisierte Gesellschaft“ hinein stattfinde. Soziale Einrichtungen erlebten täglich, wie eng Klimafragen mit Teilhabe, Lebensqualität und sozialer Sicherheit verknüpft seien.
Laut den Wohlfahrtsverbänden gelten energetische Sanierungen oder Maßnahmen zur Klimaanpassung in den bestehenden Finanzierungssystemen häufig nicht als wirtschaftlich notwendige Kosten. Eine Refinanzierung sei daher kaum möglich. Viele Gebäude sozialer Einrichtungen seien sanierungsbedürftig, doch die Mittel für größere Investitionen fehlten.
Die vier Verbände – der Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das Diakonische Werk Baden und das Diakonische Werk Württemberg – sehen laut eigener Mitteilung auf Bundesebene Ansätze für ein Förderprogramm zur klimagerechten Sanierung sozialer Infrastruktur. Dieses könnte Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro jährlich über zehn Jahre ermöglichen. Die Verbände appellieren an die Bundesregierung, ein solches Programm zügig aufzulegen.
Auf Landesebene erwarten die Wohlfahrtsverbände, dass das Sondervermögen Baden-Württembergs gezielt für Klimaschutzmaßnahmen in sozialen Einrichtungen eingesetzt wird. Konkret fordern sie niedrigschwellige und bürokratiearme Förderprogramme, praxisnahe Förderbedingungen für soziale Träger sowie eine enge Abstimmung zwischen Land, Kommunen und Sozialträgern. Die neue Landesregierung müsse sich zudem auf Bundesebene dafür einsetzen, dass soziale Einrichtungen bei Investitionsprogrammen angemessen berücksichtigt werden.
Die Verbände argumentieren mit einer doppelten Wirkung: Investitionen in klimafreundliche Gebäude und erneuerbare Wärmeversorgung leisteten einen Beitrag zum Klimaschutz und sicherten zugleich Pflege, Beratung, Betreuung und Teilhabe. Steigende Energie- und Mobilitätskosten belasteten zudem besonders einkommensschwache Haushalte, die am wenigsten in klimafreundliche Alternativen investieren könnten. Soziale Einrichtungen erlebten diese Problematik laut den Verbänden täglich – etwa in der Beratung von Menschen in Energiearmut.
Allein die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände betreiben in Baden-Württemberg nach eigenen Angaben rund 7.500 Einrichtungen und Dienste und erreichen fast 1,5 Millionen Menschen.
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