Ambulanter Pflegemarkt

„Ganze Reihe ernsthafter Interessenten“ für Kenbi

Der vorläufige Insolvenzverwalter des ambulanten Pflegeanbieters Kenbi, Gregor Bräuer von der Kanzlei Streitbörger, hat mit der Investorensuche für die Unternehmensgruppe begonnen. Dazu hat Bräuer einen sog. „strukturierten Investorenprozess“ aufgesetzt.

Foto: Kenbi

„Die Kenbi-Gruppe verfügt über ein hochmodernes, digitalisiertes Geschäftsmodell, eine bekannte Marke und ein funktionierendes Standortnetz“, betonte der vorläufige Insolvenzverwalter. „Dies macht Kenbi zu einem sehr interessanten Ziel für Investoren, und zwar sowohl aus der Branche, als auch darüber hinaus.“ Überdies verfügt die Kenbi-Gruppe mit ihrer portugiesischen Niederlassung (Software-Entwicklung) auch über einen internationalen Standort.

Bräuer ist bei allen sechs operativen Gruppenunternehmen als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Dabei handelt es sich um die Kenbi GmbH, die Kenbi Brandenburg GmbH, die Kenbi Markt GmbH, die Kenbi Pflege NI GmbH & Co. KG, die Kenbi Pflege NW GmbH & Co. KG und die Kenbi Tagespflege GmbH. Bräuer führt die Geschäftsbetriebe seit den Insolvenzanträgen Ende März 2025 an allen Standorten fort. Alle der rund 2.500 von Kenbi betreuten Personen werden nach wie vor versorgt. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind über die Bundesagentur für Arbeit für drei Monate gesichert und werden weiterhin bezahlt.

Bei einem „strukturierten Investorenprozess“ werden mögliche Käufer identifiziert und gezielt angesprochen. Es folgt ein mehrstufiges Verfahren, in dem die besten Zukunftspartner für Kenbi ausgewählt werden, wobei auch solche Kaufinteressenten berücksichtigt werden, die von sich aus auf die Insolvenzverwaltung zugehen.

„Seit Beginn der vorläufigen Insolvenzverwaltung hat sich bereits eine ganze Reihe ernsthafter Interessenten bei uns gemeldet“, berichtet Bräuer. „Dieses hohe Investoreninteresse ist ein wichtiges Indiz für den weiteren Investorenprozess, weil es die Attraktivität von Kenbi deutlich macht.“ Eine Übernahme aus einem Insolvenzverfahren heraus ermöglicht es einem Erwerber, den Geschäftsbetrieb des insolventen Unternehmens „lastenfrei“, d.h. ohne Übernahme von Altverbindlichkeiten zu übernehmen. Mit der Umsetzung des Verkaufsprozesses hat Bräuer in Abstimmung mit den vorläufigen Gläubigerausschüssen die branchenerfahrene M&A-Beratung „Montag & Montag“ beauftragt.

Parallel dazu hat der vorläufige Insolvenzverwalter mit der „leistungswirtschaftlichen“ Sanierung der Unternehmensgruppe begonnen. Das bedeutet, dass die bestehenden Strukturen und Abläufe der operativen Gruppenunternehmen bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren optimiert werden, was den Investorenprozess für Kenbi zusätzlich unterstützen dürfte.

Kenbi wurde 2019 gegründet und gilt als Digitalisierungsvorreiter in der Pflegebranche. Das Unternehmen betreut rund 2.500 Pflegebedürftige an rund 50 Standorten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg. Dabei setzt die Kenbi-Gruppe auf ein innovatives Konzept mit dezentralen, selbstorganisierten Pflegeteams, die eigenständig arbeiten und dabei durch digitale Tools und Lösungen unterstützt werden. Die dadurch gesparte Zeit etwa bei Tourenplanung, Kommunikation und Dokumentation, kann für die Arbeit mit den Pflegebedürftigen genutzt werden.