Unternehmen
Auch Kenbi stellt sich im Insolvenzverfahren neu auf
Die Insolvenzverfahren in der ambulanten Pflege nehmen kein Ende. Jetzt hat auch der Pflegeanbieter Kenbi GmbH einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen mit rund 850 Mitarbeiter:innen betreut rund 2.500 Pflegebedürftige an rund 50 Standorten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg.
Der Pflegeanbieter Kenbi GmbH hat einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen will das gerichtliche Verfahren nutzen, um seine begonnene Restrukturierung abzuschließen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Gregor Bräuer von der Kanzlei Streitbörger bestellt. Der Geschäftsbetrieb wird ohne Einschränkungen fortgeführt, Ziel ist die Sanierung der Unternehmensgruppe.
„Der Geschäftsbetrieb von Kenbi geht an allen Standorten und Pflege-Stützpunkten in vollem Umfang weiter“, betonte der vorläufige Insolvenzverwalter. „Alle von Kenbi betreuten Personen werden wie sonst auch zuverlässig versorgt, deren Versorgungsverträge bleiben gültig und werden weiter erfüllt.“ Bräuer hat umgehend nach seiner Bestellung die rund 850 Beschäftigten informiert. Parallel dazu werden derzeit alle Kunden und Vertragspartner von Kenbi angeschrieben. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind über die Bundesagentur für Arbeit gesichert und werden weiter bezahlt.
In den nächsten Tagen macht sich der vorläufige Insolvenzverwalter in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung und den Gläubigern ein genaues Bild der wirtschaftlichen Lage und prüft die Sanierungsoptionen. Denkbar ist etwa der Einstieg von Investoren oder auch eine Art Vergleich mit den Gläubigern. Welcher Weg erfolgversprechend ist, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten herauskristallisieren. „Die Geschäftsführung hat bereits Restrukturierungsmaßnahmen auf den Weg gebracht mit dem Ziel, sich auf das Kerngeschäft Pflege zu konzentrieren“, so der vorläufige Insolvenzverwalter. „Daran können wir anknüpfen und dabei die sehr wirksamen Instrumente des Insolvenzverfahrens nutzen.“ So ist das Unternehmen für drei Monate von den Personalkosten entlastet, die von der Bundesagentur für Arbeit getragen werden. Zugleich herrschen in der Insolvenz günstigere Bedingungen für die Neuverhandlung ungünstiger Verträge oder die Suche nach Investoren als außerhalb eines Verfahrens.
Die kenbi GmbH hat im letzten Jahr noch die insolventen Unternehmen Liebeskind Care plus GmbH und Liebeskind Care Iserlohn GmbH übernommen. Einige Monate zuvor wurde das Unternehmen Lioncare übernommen. Der Zusammenschluss mit Lioncare markierte den bisher größten Zukauf für kenbi mit mehr als 650 Pflegekräften und 30 Pflegezentren mit ambulanter Pflege, Tagesbetreuung und Servicewohnungen.
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