Unternehmen
Regional übliches Entgeltniveau: Pflegelöhne steigen weiter
Die neuen Werte des Regional üblichen Entgeltniveaus wurden von der Geschäftsstelle Tarifliche Entlohnung in der Langzeitpflege veröffentlicht. Diese Werte gelten ab dem 1. Januar 2026 verpflichtend für alle Pflegeeinrichtungen, die bei der Entlohnung ihrer Pflege- und Betreuungskräfte nicht auf ein Tarifwerk zurückgreifen. Erneut fallen die Steigerungsraten massiv aus – zum Teil um mehr als 14 Prozent.
Wie bereits in den Vorjahren zeigen sich erneut starke regionale Abweichungen. Besonders auffällig ist Bremen, dessen RüE von 20,46 € auf 23,48 € steigt – ein Plus von 14,8 %. Berlin folgt mit 9,3 %. Bremen hatte in den Vorjahren bundesweit die niedrigsten Durchschnittswerte und verzeichnet jetzt den größten Sprung. Damit liegt das Bundesland erstmals im Mittelfeld. Am anderen Ende steht Baden‑Württemberg mit lediglich 2,7 % Steigerung. „Im Vergleich zum Vorjahr kann festgestellt werden, dass die Bandbreite (also zwischen den jeweils höchsten und niedrigsten Werten je Berufsgruppe und im RüE) abgenommen hat. Das bedeutet auch, dass sich die Bundesländer in der Bezahlung der Pflegekräfte schrittweise annähern, obwohl es immer noch deutliche Unterschiede gibt“, bilanziert Unternehmensberater Andreas Heiber.
„Die nunmehr bekannt gegebenen Werte gelten für den weit überwiegenden Teil der Pflege- und Betreuungskräfte in Deutschland und sind für die Pflegebranche grundsätzlich ein gutes Signal“, meint Andreas Kern, Bundesvorsitzender des bad e.V. „Die Arbeit der in der Pflege Beschäftigten erhält durch die Vergütungssteigerungen eine angemessene Honorierung und wird die Attraktivität des Pflegeberufes weiter steigen. Schattenseiten dieser Entwicklung sind jedoch massive Mehrkosten für Pflegebedürftige, die in vielen Fällen zu einem weiteren Wegfall von Pflegeleistungen führen wird. Für das gleich Geld werden Pflegebedürftige aufgrund der einhergehenden Preissteigerungen weniger Leistungen beziehen können. Die Politik ist weiterhin nicht gewillt, die dringend erforderliche Anhebung der Pflegesachleistungsbeträge vorzunehmen. Eine Unterversorgung der pflegebedürftigen Menschen wird sehenden Auges in Kauf genommen!“
Der bad e.V. fordert daher eine sofortige Korrektur der bislang zu gering angesetzten Erhöhung der Pflegesachleistungsbeträge. Diese müsse an die tatsächlichen Kostensteigerungen angepasst werden. Zudem müssten Pflegekassen, Sozialhilfeträger und Krankenkassen die neuen Lohnniveaus ohne Abstriche und zum 1. Januar 2026 in den Vergütungen berücksichtigen.
Neben den Pflegebedürftigen stehen aber auch die Pflegeeinrichtungen selbst unter erheblichem Druck. „Die gesetzliche Verpflichtung, die erhöhten Löhne ab Beginn des neuen Jahres sofort und vollständig umzusetzen, wird die wirtschaftliche Existenzgrundlage von Pflegebetrieben gefährden“, erklärt Andrea Kapp, Bundesgeschäftsführerin des bad e.V. „Denn viele Kostenträger zögern, die gestiegenen Personalkosten in den Vergütungen vollständig anzuerkennen, was in der Vergangenheit bereits zu erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten bis hin zu Insolvenzen von Pflegeeinrichtungen führte.“
Kapp warnt eindringlich: „Viele Pflegeeinrichtungen sind weiterhin wirtschaftlich in einer kritischen Situation. Wenn Politik und Kostenträger jetzt nicht konsequent handeln, droht eine weitere Welle von Betriebsschließungen. Das zähe Ringen um Vergütungen in den Verhandlungen, wie wir es teilweise in den letzten Jahren erlebt haben, darf sich auf keinen Fall wiederholen. Hier müssen die Kostenträger ihrer Verantwortung gerecht werden.“
„Wir brauchen jetzt Klarheit und Verlässlichkeit – sowohl für die Pflegekräfte als auch für die Einrichtungen und die Pflegebedürftigen“, betont Andreas Kern abschließend. „Nur so lässt sich verhindern, dass die ohnehin angespannte Lage in der Pflege weiter eskaliert.“
Eine Antwort auf “Regional übliches Entgeltniveau: Pflegelöhne steigen weiter”
Meine erste Reaktion: „Whaaaaaaaaat?“
Die letzten Jahre wurden diese Erhöhungen ja noch großteils leicht subventioniert, was dieses Jahr wohl gänzlich ausbleiben wird.
Also keine Dynamisierung, kein Inflationsausgleich oder sonstiger Zuschuss.
Die Zeche wird mal wieder der Kunde/Bewohner/Patient/Klient zu tragen haben, denn diese Tarifsteigerungen werden sich wohl im erneut steigenden Eigenanteile widerspiegeln.
Gruß nach Berlin, in der Hoffnung, dass diesem Irrsinn dort bitte bitte entgegengesteuert wird.
Cito Aufenacker
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren