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Kommunale Pflegeplanung: Hinken die Städte und Kreise hinterher?

Viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen stehen kurz vor einer Überforderung im Bereich Pflege. Der Verband wir pflegen NRW ruft angesichts alarmierender Zahlen zu einer strategischen Neuausrichtung kommunaler Pflegepolitik auf.

Rathaus in Essen Foto: AdobeStock/Julian

Pflege ist längst ein kommunalpolitisches Schlüsselthema geworden. Nach Angaben des Verbandes wir pflegen NRW fehlen in zahlreichen Städten und Kreisen dringend notwendige Angebote wie Pflegestützpunkte, ambulante Pflegedienste, Tagespflegeplätze, Betreutes Wohnen und Pflegeheime. Laut Daten von IT.NRW werden 87,8 Prozent der Pflegebedürftigen in NRW zu Hause versorgt, meist durch Angehörige – nur etwa jede:r Fünfte erhält dabei Unterstützung durch einen ambulanten Dienst.

Pflege hauptsächlich privat – mit weitreichenden Folgen

Die Zahlen belegen eine enorme Abhängigkeit von familiärer Pflege. Tagespflegeplätze stehen landesweit nur für 2,9 Prozent der Pflegebedürftigen zur Verfügung, so der Verband. Diese Situation zwingt viele Angehörige, ihre Erwerbstätigkeit zu reduzieren oder ganz aufzugeben. Die Folge: finanzielle Engpässe, gesundheitliche Belastungen und mittelbare volkswirtschaftliche Folgekosten – von Fachkräftemangel bis Altersarmut.

Für viele Familien kommt eine weitere Belastung hinzu: Die Kosten für professionelle Pflege steigen kontinuierlich, während Einkommen und Vermögen häufig nicht ausreichen. In der Folge müssen Kommunen zunehmend Kosten über die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ nach dem Sozialgesetzbuch XII übernehmen. Laut IT.NRW bezieht in NRW rund 40 Prozent der stationär gepflegten Menschen und etwa 9 Prozent der ambulant gepflegten Personen diese Leistungen. In einzelnen Kommunen liegt der Anteil bei stationärer Pflege zwischen 3,7 und 55,6 Prozent, bei häuslicher Pflege zwischen 1 und 28,4 Prozent.

Versäumnisse in der kommunalen Planung

Das nordrhein-westfälische Alten- und Pflegegesetz (APG NRW) verpflichtet Kommunen, eine nachhaltige Pflege- und Unterstützungsstruktur sicherzustellen. Doch laut einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und eines Gutachtens des IGES Instituts (2025) fehlt es vielerorts an Datengrundlagen und systematischer Planung. Die meisten Städte orientieren sich an einfachen Kennziffern – etwa der Zahl verfügbarer Pflegeplätze pro 1.000 Senior:innen – und blenden dabei informelle Pflege durch Angehörige und ehrenamtliche Helfer:innen aus.

Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler (CSU), hat dazu laut Bundesprojekt Pflegebevollmächtigte.de neue Standards ins Gespräch gebracht. Sie fordert verbindlichere Strukturen und nennt Case Manager:innen auf kommunaler Ebene, eigene Förderprogramme sowie eine stärkere Vernetzung als zentrale Hebel.

Auch der Deutsche Städtetag sieht Anpassungsbedarf. In einem Positionspapier (2024) verlangt der Verband unter anderem die Auflösung von Sektorengrenzen zwischen Gesundheitsversorgung und Pflege, die schnellere Anerkennung ausländischer Pflegeabschlüsse sowie eine Übertragung der Beratungsverantwortung von den Pflegekassen auf die Kommunen.

Forderungen von wir pflegen NRW

Der Verband wir pflegen NRW ruft die Städte und Kreise auf, nicht auf bundespolitischen Druck zu warten, sondern eigenständig aktiv zu werden. Zentrale Forderungen sind:

  • Einbindung pflegender Angehöriger in die Pflegeplanung und kommunale Pflegestrukturen, etwa durch Case- und Care-Management, niedrigschwellige Beratungsangebote und Entlastungsstrukturen.
  • Abbau bürokratischer Hürden, insbesondere bei Leistungsansprüchen aus verschiedenen Sozialgesetzbüchern und bei Wohnraumanpassungen.
  • Unterstützung pflegender Eltern, die häufig mit unübersichtlichen Verwaltungsverfahren und fehlender Betreuung für behinderte Kinder konfrontiert sind.

Darüber hinaus drängt der Verband auf mehr Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Akteur:innen: Pflegediensten, Pflegeheimen, Kostenträgern, Verbänden und Ehrenamtlichen. Nur durch koordinierte Sozialraum- und Quartiersarbeit lasse sich die künftige Versorgung sichern.

„Es ist angesichts der realen Lebensbedingungen vieler Betroffener und des sich zuspitzenden Fachkräftemangels absurd, die Stärkung der pflegenden Angehörigen in Frage zu stellen. Wir brauchen dringend einen Schulterschluss der Betroffenen, der professionell Pflegenden und der zuständigen Stellen in den Kommunen“, sagt Roland Weigel, Koordinator für Organisation und Kommunikation der Ruhrgebietskonferenz-Pflege und des Netzwerks „ZukunftPflege NRW“. Die Arbeitgeber der Ruhrgebietskonferenz-Pflege und des Netzwerks „ZukunftPflege NRW“ unterstützen ausdrücklich die Forderungen von wir pflegen NRW und laden die Kommunen zum Dialog über eine zukunftsfähige Pflege ein.

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