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Leiharbeit: Fachkräfte verdienen fast so viel wie Stammpersonal
Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken liegen die Medianentgelte von Leiharbeitskräften und Stammpersonal in Pflegeberufen insgesamt nahezu gleichauf. Im Helfer:innen-Bereich klafft jedoch eine Lücke von über 500 Euro – und fast jede zweite Leiharbeitskraft auf Helferniveau arbeitet im Niedriglohnbereich.
Die Fraktion Die Linke hatte die Bundesregierung mit einer Kleinen Anfrage (Drucksache 21/4593) um eine umfassende Bestandsaufnahme zur Leiharbeit in der Pflege gebeten. Die Abgeordneten Julia-Christina Stange, Nicole Gohlke und Pascal Meiser (alle Die Linke) wollten unter anderem wissen, wie sich die Entgelte von Leiharbeitskräften und Stammpersonal in Pflegeberufen unterscheiden. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 21/5270) liefert auf Basis der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit ein differenziertes Bild – das teilweise der eigenen Einordnung widerspricht.
Das mittlere Bruttomonatsentgelt (Median) aller sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Pflegekräfte lag Ende 2024 bei 4.124 Euro. Leiharbeitnehmer:innen in Pflegeberufen kamen auf 4.172 Euro – und damit auf einen um 48 Euro höheren Wert. Die Bundesregierung schreibt in ihrer Vorbemerkung dennoch, die Arbeitsentgelte von Stammpflegekräften im Fachkräftebereich lägen „im Durchschnitt über den Entgelten von Leihpflegekräften“. Die Mediandaten stützen diese Aussage im Fachkräftebereich tatsächlich – allerdings nur mit einer Differenz von 40 Euro: 4.275 Euro für Stammkräfte gegenüber 4.235 Euro für Leiharbeit.
Deutlich anders stellt sich die Lage bei den Helfer:innen dar. Hier verdienten Stammbeschäftigte im Median 3.215 Euro brutto, Leiharbeitskräfte dagegen nur 2.684 Euro – eine Differenz von 531 Euro. Dieser Abstand hat sich seit 2020 zwar verringert (damals: 2.442 Euro vs. 2.103 Euro, Differenz 339 Euro), bleibt aber substanziell. Helfer:innen in Leiharbeit stehen damit trotz Gehaltssteigerungen weiterhin erheblich schlechter da als ihre fest angestellten Kolleg:innen.
Beide Gruppen haben zwischen 2020 und 2024 deutliche Entgeltsteigerungen verzeichnet. Das Medianentgelt aller Pflegekräfte stieg von 3.392 Euro auf 4.124 Euro – ein Plus von rund 21,6 Prozent. Bei Leiharbeitnehmer:innen fiel der Anstieg mit 23,9 Prozent (von 3.366 Euro auf 4.172 Euro) sogar etwas stärker aus. Im Fachkräftebereich legte die Leiharbeit um 22,4 Prozent zu (von 3.461 Euro auf 4.235 Euro), bei den Helfer:innen in Leiharbeit sogar um 27,6 Prozent (von 2.103 Euro auf 2.684 Euro) – allerdings von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau.
Die Entgeltdaten zeigen auch einen Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern, der in Leiharbeit und Stammbelegschaft ähnlich ausfällt. Männliche Leiharbeitskräfte in Pflegeberufen verdienten Ende 2024 im Median 4.287 Euro, weibliche 4.120 Euro – eine Differenz von 167 Euro. Beim Stammpersonal betrug der Abstand 172 Euro (Männer: 4.254 Euro, Frauen: 4.082 Euro).
Bei der Altersdifferenzierung fällt auf, dass jüngere Leiharbeitskräfte tendenziell besser abschneiden als gleichaltrige Stammkräfte. In der Altersgruppe 25 bis unter 55 Jahre lag das Medianentgelt der Leiharbeit bei 4.203 Euro, das der Stammbeschäftigten bei 4.136 Euro – ein Vorsprung von 67 Euro. Auch bei den unter 25-Jährigen verdienten Leiharbeitskräfte geringfügig mehr (3.918 Euro vs. 3.892 Euro). Erst bei den 55- bis 64-Jährigen dreht sich das Verhältnis: Hier lag das Stammpersonal mit 4.361 Euro vor der Leiharbeit mit 4.281 Euro.
Der Anteil der Pflegekräfte im unteren Entgeltbereich ist insgesamt stark gesunken – von 14,7 Prozent im Jahr 2020 auf 7,1 Prozent Ende 2024. Bei Leiharbeitnehmer:innen ging der Wert von 16,1 Prozent auf 9,8 Prozent zurück. Im Fachkräftebereich der Leiharbeit arbeiteten Ende 2024 nur noch 3,1 Prozent im Niedriglohnbereich.
Gravierend bleibt die Situation bei den Helfer:innen: 49,5 Prozent der als Helfer:innen eingesetzten Leiharbeitskräfte verdienten Ende 2024 unterhalb der Niedriglohnschwelle von 2.676 Euro. Bei den fest angestellten Helfer:innen lag dieser Anteil mit 15,9 Prozent ebenfalls hoch, aber deutlich niedriger. Ausländische Leiharbeitskräfte in der Pflege waren mit 18,9 Prozent insgesamt mehr als doppelt so häufig im Niedriglohnbereich vertreten wie deutsche (7,1 Prozent).
Laut einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Jahr 2023 unter rund 4.000 Leiharbeitskräften in der Pflege ist eine leistungsgerechte Vergütung eines der zentralen Motive für den Wechsel in die Zeitarbeit – neben mehr Einfluss auf die Dienstpläne und größerer Wertschätzung. Die Entgeltdaten legen nahe, dass dieses Motiv vor allem für Fachkräfte aufgehen dürfte. Für Helfer:innen hingegen bietet die Leiharbeit laut den vorliegenden Zahlen keinen finanziellen Vorteil gegenüber einer Festanstellung.
Insgesamt waren im August 2025 laut Bundesagentur für Arbeit noch rund 31.500 Leiharbeitnehmer:innen in Pflegeberufen tätig – ein Rückgang gegenüber dem Höchststand von rund 42.650 im August 2023. Die Bundesregierung gibt an, zur Tarifbindung von Leiharbeitskräften in der Pflege keine Erkenntnisse zu haben.
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