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Neue vdek-Daten: Berlin steuert auf Pflegeengpass zu

Junge Stadt Berlin – von diesem Bild wird man sich künftig lösen müssen. Neue Basisdaten des vdek zeigen, wohin die Berliner Pflegeversorgung steuert: Die Zahl der Pflegebedürftigen soll bis 2070 um 70 Prozent steigen. Gleichzeitig belasten Eigenanteile von bis zu 3.100 Euro monatlich Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen bereits heute massiv.

Rebecca Zeljar, Leiterin der vdek-Landesvertretung Berlin/Brandenburg Foto: vdek

Die vdek-Landesvertretung Berlin/Brandenburg hat am 3. März ihre aktuellen Basisdaten des Gesundheitswesens in Berlin vorgelegt. Die Datensammlung verdichtet die zentralen Kennzahlen zur pflegerischen Versorgung der Hauptstadt. Laut der vdek-Broschüre wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Berlin bis 2070 auf über 320.000 Personen ansteigen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 70 Prozent gegenüber 2022. Frauen stellen dabei weiterhin den größten Anteil. Die Landesvertretung spricht von einem „klaren Handlungsauftrag an die Politik“ und fordert eine vorausschauende Pflegestrukturplanung.

Besonders der ambulante Bereich steht im Fokus: Mit einer Pflegeprävalenz von 5,6 Prozent liegt Berlin laut den Basisdaten zwar bundesweit auf dem viertniedrigsten Platz – hinter Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg. Dieser vergleichsweise niedrige Wert erkläre sich vor allem durch die jüngere Bevölkerungsstruktur und den urbanen Kontext. Doch die demografische Entwicklung werde den Versorgungsbedarf in den kommenden Jahren „deutlich erhöhen – insbesondere im ambulanten Bereich“, so die Broschüre. Flexible und vielfältige Angebotsstrukturen sowie eine verlässliche Finanzierung seien dafür entscheidend.

Die Verteilung nach Pflegegraden unterstreicht, wo der größte Versorgungsbedarf liegt: Im Jahr 2023 erhielten laut vdek 89.989 Personen Leistungen im Pflegegrad 2 und 62.581 im Pflegegrad 3. Zusammen machen sie über zwei Drittel aller Leistungsempfänger:innen aus. Deutlich weniger Personen entfallen auf die Pflegegrade 1, 4 oder 5.

Für die ambulante Pflege hat diese Konzentration im mittleren Pflegegradbereich weitreichende Konsequenzen: Der Unterstützungsbedarf umfasst hier einen Mix aus körperlichen, kognitiven und sozialen Anforderungen. Die vdek-Landesvertretung hält es daher für „elementar“, ambulante und teilstationäre Angebote in diesem Segment gezielt auszubauen und miteinander zu verknüpfen, um pflegende Angehörige zu entlasten.

Auch die finanzielle Belastung in der stationären Pflege bleibt laut den Basisdaten 2025 auf hohem Niveau. Je nach Aufenthaltsdauer zahlen Pflegebedürftige in Berliner Einrichtungen zwischen rund 1.800 und über 3.100 Euro monatlich aus eigener Tasche – selbst nach Abzug des gestaffelten Pflegegeldzuschusses. Kurzzeitige Aufenthalte belasten dabei besonders stark. Der sogenannte Einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) bildet den größten Kostenblock. Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen bleiben laut Broschüre unverändert hoch – unabhängig vom individuellen Unterstützungsbedarf.

Die Ersatzkassen fordern deshalb strukturpolitische Reformen, die Eigenanteile dauerhaft begrenzen, die Pflegekassen stabilisieren und eine faire Lastenverteilung zwischen Versicherten, Einrichtungen und öffentlicher Hand ermöglichen.

Rebecca Zeljar, Leiterin der vdek-Landesvertretung Berlin/Brandenburg, ordnet die Lage ein: „Das Gesundheitswesen in Berlin steht vor großen Herausforderungen – insbesondere durch die demografische Entwicklung, den Fachkräftemangel und steigende Gesundheitsausgaben.“ Die landesspezifischen Basisdaten sollen eine fundierte Grundlage für gesundheitspolitische Diskussionen und Strukturentscheidungen liefern.

Laut der Broschüre sind Fachkräftemangel, steigende Kosten und soziale Ungleichheiten in urbanen Ballungsräumen wie Berlin besonders spürbar. Ohne nachhaltige Strukturreformen drohten Versorgungsengpässe und soziale Schieflagen. Für eine zukunftsfähige Pflegeversorgung brauche es tragfähige Konzepte zur Personalgewinnung, mehr sektorenübergreifende Versorgungsangebote sowie gezielte Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung. Auch die Rolle der Bezirke, Quartiere und des ehrenamtlichen Engagements werde weiter an Gewicht gewinnen.