Management
Perspektivwechsel: Chancen und Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit gesetzlichen Krankenkassen
Viele Leistungserbringer im Gesundheits- und Sozialwesen können über Probleme in der Zusammenarbeit mit Kranken- und Pflegekassen berichten oder stoßen hier an ihre Grenzen – vor allem, wenn es um deren tatsächliches Zahlungsverhalten geht.
Von Andreas Dehlzeit
Im Vergleich zum Zahlungsverhalten der deutschen Wirtschaft bewegen sich die Leistungsträger allerdings im mittleren Bereich. Laut Creditreform gewährten Lieferanten und Kreditgeber im ersten Halbjahr 2023 ein Zahlungsziel von durchschnittlich 29,93 Tagen.
Krankenkassen als sichere Geldgeber
Die Entwicklung der Krankenkassen in den letzten Jahrzehnten zeigt, dass vor allem kleinere Kassen immer öfter mit großen Häusern fusionieren, Grund dafür ist der Konsolidierungsdruck. Während es 1970 noch 1.815 Krankenkassen gab, waren es im Jahr 2000 nur noch 420. Seit Januar 2024 gibt es nur noch 95 Versicherer ihrer Art.
Die Zahlen zur Finanzentwicklung der gesetzlichen Krankenkassen zeigen, dass ihre aktuelle Situation angespannt ist. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit haben die Kassen in den ersten drei Monaten dieses Jahres ein Defizit in Höhe von 776 Millionen erzielt. Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen betrugen 79,5 Milliarden Euro und standen Ausgaben in Höhe von 80,2 Milliarden Euro gegenüber. Bei den Finanzreserven wurden zum Quartalsende rund 7,6 Milliarden Euro gezählt.
Durch diese verschärfte finanzielle Situation der Kassen, sinken ihre Liquiditätsreserven. Das wirkt sich auch auf ihr Zahlungsverhalten aus und führt dazu, dass sich Zahlungsziele verlängern. Für Leistungserbringer ist es in dieser Situation von besonderem Vorteil, wenn sie über sichere Geldeingänge verfügen, um sich von dieser Planungsunsicherheit unabhängig zu machen. Gleichzeitig genießen sie die Sicherheit, dass die Krankenkassen die Kosten auf jeden Fall begleichen, selbst in dem unwahrscheinlichen Falle einer möglichen Insolvenz. Denn wenn eine Krankenkasse Insolvenz anmelden muss und nicht genügend Vermögen hat, werden die Kosten auf alle Krankenkassen verteilt und von diesen beglichen – Leistungserbringer erhalten also in jedem Fall ihr Geld, die Auszahlungen können sich nur etwas verzögern.
Neben der angespannten finanziellen Situation beeinflussen auch bei den Krankenkassen der Personalmangel und die geringe Automatisierung ihre Arbeit. Zudem unterliegen sie spezifischen Steuerungsprozessen z. B. in Zusammenarbeit mit medizinischen Diensten, die sich auf die Auszahlungszeiträume an die Leistungsträger auswirken.
Unsicheren Zahlungseingängen vorbeugen
Häufig warten Leistungserbringer zwischen 30 und 90 Tagen auf den Geldeingang und müssen in der Zwischenzeit Gehälter, Miete, Benzin und andere Betriebskosten zahlen, was bei vielen zu erheblichen Liquiditätsengpässen führt. Mit einem Mix aus verschiedenen Finanzierungsformen können sich Leistungserbringer im Sozial- und Gesundheitswesen von dieser Planungsunsicherheit unabhängig machen und bspw. Factoring als Vorfinanzierungslösung nutzen. Beim Factoring treten Leistungserbringer ihre Forderungen gegenüber den Leistungsträgern einfach an den Factor ab und erhalten ihr Geld zum gewünschten Zeitpunkt. So müssen sie nicht mehr auf die Zahlungseingänge der Leistungsträger warten.
Weitere Informationen zum Thema Factoring für Leistungserbringer der Sozial- und Gesundheitswirtschaft bietet die Webseite der SozialFactoring unter https://www.sozialfactoring.de/existenzgruenderinnen-ambulanter-pflegedienst/.
*Die Redaktion weist daraufhin, dass die Angaben keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
Autor Andreas Dehlzeit ist Sprecher der Geschäftsführung der SozialFactoring.
Teil 1 der Artikelserie lesen Sie hier: Pflegedienst gründen in stürmischen Zeiten!? – Zahlen, Daten, Fakten und Voraussetzungen
Teil 2 der Artikelserie lesen Sie hier: Unternehmensgründung: Zwischen Analyse und Gesetzestexten
Teil 3 der Artikelserie lesen Sie hier: Von Zahlenkolonne zu Planungsassistent: Gut organisiert die Finanzen im Blick behalten
Teil 4 der Artikelserie lesen Sie hier: Papierchaos bewältigen: Zwischen Abrechnung und Kostenaufstellung einen kühlen Kopf bewahren
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