Nachrichten
Sachsen-Anhalt verspricht sich viel von „Familienkonferenzen Pflege“
Moderierte Treffen sollen Pflegebedürftige, Angehörige und professionelle Akteur:innen an einen Tisch bringen, um individuelle Pflegearrangements zu entwickeln. Das Land Sachsen-Anhalt und die Pflegekassen finanzieren das Modellprojekt auf Grundlage des PUEG – und wollen damit die häusliche Versorgung strukturell stärken.
Laut dem Sozialministerium Sachsen-Anhalt stellen das Land und die Pflegekassen rund 1,42 Millionen Euro für das Modellprojekt „Familienkonferenz Pflege – Gute Pflege Zuhause“ bereit. Das Vorhaben setzt auf ein konkretes Format: Strukturierte, moderierte Gesprächsrunden, in denen Pflegebedürftige gemeinsam mit Angehörigen, Freund:innen, Nachbar:innen und bei Bedarf professionellen Pflegeakteur:innen passgenaue Lösungen für ihre jeweilige Pflegesituation erarbeiten.
Hinter dem Vorhaben stehen fünf Verbundpartner: die Gesellschaft für Prävention im Alter (PiA e.V.) und der Malteser Hilfsdienst aus Magdeburg, der Verein Wildtulpe aus dem Petersberger Ortsteil Mösthinsdorf (Saalekreis), die Bürgerinitiative Stendal sowie der Verein Biworegio aus Bitterfeld-Wolfen.
Im Kern geht es darum, Pflegeaufgaben offen zu besprechen und klar zu verteilen. Eine koordinierende Fachkraft moderiert die Konferenzen, in denen Unterstützungsbedarfe, vorhandene Ressourcen sowie Sorgen und Konflikte frühzeitig thematisiert werden. Gleichzeitig soll der Zugang zu regionalen Beratungsangeboten, Teilhabemöglichkeiten und Pflegedienstleistungen verbessert werden. Ziel ist es laut dem Ministerium, eine Überforderung einzelner Pflegepersonen zu vermeiden.
Das Angebot ist niedrigschwellig, freiwillig und kostenfrei. Es richtet sich sowohl an Menschen, die bereits pflegen, als auch an jene, die künftig Pflege organisieren müssen. Die Leiter:innen der Familienkonferenzen durchlaufen zunächst eine fünftägige Schulung. Anschließend sollen bis zu zehn Konferenzen pro Jahr stattfinden. Perspektivisch ist geplant, weitere Träger und Fachkräfte für das Format zu gewinnen.
Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) betonte, pflegende Angehörige stünden häufig vor emotionalen, körperlichen und finanziellen Belastungen, die sie an ihre Grenzen führten. Mit den Modellprojekten wolle man dafür sorgen, „dass Pflege nicht als Last, sondern als Teil des gesellschaftlichen Zusammenhalts erkannt wird“.
Yvonne Jahn von PiA e.V. erklärte, das Projekt verfolge das Ziel, „eine langfristige pflegerische Versorgung im vertrauten Wohnumfeld sicherzustellen“ und die Lebensqualität von Pflegebedürftigen und Angehörigen zu erhalten.
Das Modellprojekt ist Teil eines größeren Förderprogramms: Laut dem Ministerium stehen in Sachsen-Anhalt bis 2028 insgesamt rund 6,5 Millionen Euro für Projekte im Bereich „Pflege im Quartier“ zur Verfügung. Die Vorhaben sollen bestehende kommunale Angebote vernetzen, die Lebenssituation Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen erleichtern oder einer wachsenden Pflegebedürftigkeit entgegenwirken. Bereits jetzt werden laut Landesangaben über 70 Prozent der mehr als 200.000 Pflegebedürftigen in Sachsen-Anhalt in ihrem häuslichen Umfeld betreut.
Rechtsgrundlage ist die Neufassung des § 123 SGB XI durch das Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetz (PUEG), die die Förderung regionalspezifischer Modellvorhaben zur Unterstützung von Pflegebedürftigen und ihren Pflegepersonen ermöglicht. Die Mittel werden gemeinsam vom Land, der sozialen Pflegeversicherung und der privaten Pflegepflichtversicherung bereitgestellt.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren