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So können sich Pflegedienste in Quartieren profilieren

Fachkräftemangel, steigende Kosten und der Anspruch auf wohnortnahe Pflege setzen ambulante Dienste unter Druck. Versorgungsquartiere bieten einen strukturierten Weg, die eigene Marktposition zu stärken – drei Praxisbeispiele zeigen, wie das gelingt.

Foto: EVIM - Evangelischer Verein für Innere Mission in Nassau

Ambulante Pflegedienste, die sich aktiv in die Quartiersentwicklung einbringen, können ihre Rolle im regionalen Versorgungsnetzwerk festigen und langfristige Planungssicherheit gewinnen. Wie die Fachzeitschrift Häusliche Pflege in ihrem aktuellen Schwerpunkt berichtet, liegt ein in über zehn Jahren erprobtes Strukturmodell vor, das Quartiere in fünf Phasen mit 28 Bausteinen von der Idee bis zum Dauerbetrieb entwickelt.

Laut Torsten Anstädt, Geschäftsführer des gemeinnützigen Unternehmens humaQ, scheitern viele Projekte an denselben Fehlern: Sie starten ohne klare Reihenfolge, ohne wirtschaftliche Grundlage und ohne verbindliche kommunale Einbindung. Das Strukturmodell setze dem eine klare Logik entgegen: Erst politische Rückendeckung, Bedarfsanalyse und Geschäftsmodell, dann Governance, Quartiersmanagement und Begegnungsangebote, zuletzt Verstetigung durch Qualitätssicherung und Digitalisierung. Für Geschäftsführungen und Pflegedienstleitungen entstehe so ein kalkulierbarer Entwicklungsrahmen, der stabilere Einsatzstrukturen, besser planbare Touren und engere Bindungen zu Klient:innen ermögliche.

Wie Pflegedienste dabei konkret die Initiative ergreifen können, zeigen drei Beispiele. In Vetschau/Spreewald (Brandenburg) hat ein Pflege- und Beratungszentrum gemeinsam mit einer Physiotherapiepraxis, der Stadt und der lokalen Wohnungsbaugesellschaft ein Quartiersprojekt initiiert. „Wir sehen, dass wir die zukünftige Versorgung nicht allein sichern können“, sagt Geschäftsführerin Susen Nowara laut Häusliche Pflege. Derzeit wird ein Landesförderantrag für die Konzeption gestellt – Bürgermeister und politische Gremien tragen das Vorhaben mit.

In Staßfurt-Nord (Sachsen-Anhalt) hat die Pegasus Soziale Dienstleistungen gGmbH nach einer Quartierspotenzialanalyse 2024 gemeinsam mit der Wobau Staßfurt einen Quartiersversorgungsbeirat, professionelles Quartiersmanagement und eine Begegnungsstätte aufgebaut. „Das Quartier ist spürbar lebendiger geworden“, berichtet Stadtrat Michael Hauschild. Aktuell steht der Übergang zur dauerhaften Verankerung an.

Am weitesten ist das Eigenheim-Komponistenviertel in Wiesbaden. Die EVIM gGmbH Altenhilfe hat dort in rund zehn Jahren alle fünf Phasen durchlaufen und sich dabei als zentraler Versorgungsakteur im Quartier positioniert. Das stationäre Angebot ging von 146 auf 84 Plätze zurück – die ambulante Versorgung sei dagegen stabil und nahezu rund um die Uhr gesichert, so Peter Kiel, verantwortlich für Quartiersmanagement bei EVIM. Ehrenamtliche Strukturen, eine Begegnungsstätte und Aktivierungsangebote ergänzen die professionelle Pflege.

Anstädt betont: Versorgungsquartiere seien kein Zusatzprojekt, sondern ein strategisches Instrument zur Sicherung von Marktposition, Versorgungsqualität und Personalbindung.

Am 26. März 2026 findet ein Webinar mit Torsten Anstädt zum Thema statt (11:00–12:00 Uhr, Zoom). Zudem ist eine Konferenz dazu am 22./23. September in Hannover geplant.