Politik
„Wer Migration vorrangig als Bedrohung darstellt, ignoriert die Realität“
„Wie sichern wir unseren Sozialstaat? Wie stellen wir sicher, dass pflegebedürftige Menschen auch in Zukunft gut versorgt werden? Anstatt Lösungen für diese Herausforderungen zu erarbeiten, wird die politische Diskussion zunehmend von Stimmungsmache überlagert“, beobachtet der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD). Das beeinträchtige nicht nur die dringend benötigte Anwerbung internationaler Fachkräfte, sondern erschwere auch die Integration der Menschen, die bereits hier sind.
„Wir brauchen keine Scheindebatten, sondern eine Politik, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Menschen, die zu uns kommen, bringen Fähigkeiten, Perspektiven und Lebenserfahrung mit. Sie sind längst Teil unserer Gesellschaft – ob in der Pflege oder in anderen Bereichen. Doch stattdessen wird eine Diskussion geführt, die Ängste schürt und abschreckend wirkt“, meint VKAD-Geschäftsführer Andreas Wedeking.
„Die Realität ist: Schon jetzt fehlen in vielen Einrichtungen Pflegekräfte, um die Versorgung sicherzustellen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Zuwanderung unser Sozial- und Gesundheitssystem stärkt. Wer Migration vorrangig als Bedrohung darstellt, ignoriert die Realität“, so Wedeking weiter.
Der VKAD fordert einen „Kurswechsel“ in der politischen Debatte, schnellere und unbürokratische Verfahren für die Anerkennung internationaler Fachkräfte sowie eine nachhaltige Sicherung Sozialstaates. „Die Träger von Einrichtungen und Diensten arbeiten bereits an Lösungen. Die Politik sollte es ihnen gleichtun, statt sich in populistischen Debatten zu verlieren“, merkt der VKAD-Geschäftsführer an.
Für alle. Mit Herz und Verstand
Der VKAD steht mit seinen Forderungen nicht alleine da: Unter dem Motto „Für alle. Mit Herz und Verstand.“ rufen die christlichen Kirchen zur Bundestagswahl 2025 dazu auf, die Demokratie aktiv zu stärken. Im Zentrum dieser Botschaft stehen die Grundwerte Menschenwürde, Nächstenliebe und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Auch zwölf bundesweit tätige diakonische Verbände schließen sich diesem Appell an und betonen gemeinsam: „Als diakonische Verbände erheben wir unsere Stimme für die Grundwerte unserer Demokratie und erinnern an die gemeinsame Verantwortung für ein solidarisches Miteinander.“
„Eine lebendige und wehrhafte Demokratie beruht darauf, die Bedürfnisse aller Menschen anzuerkennen und zu wahren. Doch extremistische Strömungen und populistische Parolen gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt und untergraben ein friedliches Zusammenleben, das auf Würde, Respekt und Mitmenschlichkeit basiert. Politische Entscheidungen, die Spaltung und Ausgrenzung fördern, schaden der gesamten Gesellschaft. Der christliche Glaube fordert uns auf, solchen Entwicklungen entschlossen entgegenzutreten. In den Mitgliedseinrichtungen der diakonischen Verbände setzen sich tagtäglich Menschen mit und ohne Migrationshintergrund mit großem Engagement und Herzblut für gelebte Nächstenliebe ein. Ihre Arbeit ist geprägt von Solidarität, Respekt und Mitmenschlichkeit. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zeigen tagtäglich, dass Vielfalt eine Bereicherung ist. Die diakonischen Verbände sehen es als ihre zentrale Aufgabe, dieses christliche Menschenbild zu bewahren und mit Nachdruck zu betonen: Alle Menschen – in ihrer gesamten Vielfalt – stehen im Mittelpunkt unserer Gesellschaft“, heißt es dazu von den Verbänden.
Initiatoren des Aufrufs
- Der Evangelische Bundesfachverband für Teilhabe (BeB)
- Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP)
- Der Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD)
Unterzeichnende diakonische Verbände
- Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)
- Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V. (BAG EJSA)
- Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V. (BETA)
- Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands gemeinnütziger e. V. (CJD)
- Evangelischer Fachverband für Arbeit und soziale Integration e. V. (EFAS)
- Evangelischer Fachverband für Frauengesundheit e.V. (EVA)
- Evangelischer Erziehungsverband e.V. (EREV)
- TelefonSeelsorge® Deutschland e.V. – Ökumenischer Verein für TelefonSeelsorge und Offene Tür in Deutschland
- VEDD Verband Evangelischer Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften (VEDD)
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren