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Rückzug aus stationärer Altenhilfe soll Überleben von Sozialstation sichern

Der Diakonieverein Amberg hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Diesem Antrag hat das Amtsgericht Amberg nun stattgegeben. Geschlossen wird im Zuge der Sanierung das Seniorenheim am Maria-Hilf-Berg zum 30. April 2024.

„Uns blutet das Herz, die Reißleine für die Seniorenpflege ziehen zu müssen. Doch um die Betreuung in unseren anderen Einrichtungen – Ambulante Pflege, Kindergarten- und Familienarbeit und Offene Behindertenarbeit – wie gewohnt fortführen zu können, mussten wir diese Entscheidung treffen“, erklärt Marcus Keil, Geschäftsführer des Diakonievereins. Er steht bereits mit regionalen Einrichtungen in Kontakt, die die pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren aufnehmen können. Auch die Pflegekräfte versucht er an andere Einrichtungen zu vermitteln. Sie haben gute Chancen, neue Stellen zu finden.

Die Restrukturierung in der Insolvenz in Eigenverwaltung wird begleitet von den Sanierungsexperten Thomas Klöckner und Klaus Ziegler der LECON Restrukturierung Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. „Es zeigt sich immer deutlicher, dass im Bereich der Wohlfahrt dringend ein Paradigmenwechsel ansteht. Hier müssen alle an einen Tisch – Staat, Wohlfahrtseinrichtungen, aber auch die Wirtschaft und Gesellschaft als Nutznießer – um das System langfristig auf stabile und sichere Beine zu stellen“, sagt Klaus Ziegler.

Die Schließung der stationären Seniorenpflege soll den Weg für die Insolvenz in Eigenverwaltung ebnen, um die übrigen Angebote des Diakonievereins Amberg zu erhalten. Die Ambulante Pflege, Kindergarten- und Familienarbeit sowie die Offene Behindertenarbeit werden weiter angeboten wie gewohnt, ohne Einschnitte für Mitarbeitende und betreute Menschen. „Diese Bereiche haben sehr gutes Potenzial, auch in Zukunft weiter zu bestehen. Ein Sanierungsplan liegt vor, die ersten Maßnahmen nehmen wir bereits mit Herrn Keil und seinem Team in Angriff“, erklärt Thomas Klöckner, Sanierungsexperte von LECON.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung führt der Vorstand des Diakonievereins die Geschäfte weiter und bleibt voll handlungsfähig. Am Ende eines solchen Verfahrens sind betroffene Unternehmen in der Regel erfolgreich saniert und restrukturiert und stehen wieder auf eigenen Beinen. Klaus Ziegler erklärt: „Dazu muss das Management frühzeitig handeln und die Firma bzw. Einrichtung vom Gericht als sanierungsfähig und sanierungswürdig erachtet werden. Dies ist beim Diakonieverein Amberg glücklicherweise der Fall.“

Der Diakonieverein Amberg ist nicht die erste Wohlfahrtseinrichtung, die von finanziellen und personellen Herausforderungen gebeutelt wird. Die Crux liegt hier laut Ziegler an einer verschobenen Wahrnehmung: „Es herrscht die Einstellung vor, dass sich solche sozialen Angebote schon irgendwie selber finanzieren werden. Es muss einerseits klar sein, dass solche Leistungen genauso betriebswirtschaftlich organisiert und vermarktet werden müssen wie jedes andere unternehmerische Angebot auch. Andererseits können aber die Wohlfahrteinrichtungen von Staat, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft mit diesen Herausforderungen nicht allein gelassen werden. “ Auch Marcus Keil wünscht sich, dass hier ein Umdenken stattfindet. „Wir lieben das, was wir tun, und setzen uns mit aller Kraft für die Menschen ein, die wir betreuen. Adäquate Förderung würde uns die Arbeit erheblich erleichtern“, sagt er.