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Diakonie Dienstleistungen Wetterau stellt Insolvenzantrag

Die Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH hat am 15. Januar 2026 Insolvenzantrag gestellt. Damit droht einem seit 16 Jahren etablierten Anbieter für häusliche Alltags- und Demenzbegleitung das Aus – mit unmittelbaren Folgen für hochbetagte Menschen in der Region.

Foto: Diakonie Dienstleistungen Wetterau

Laut einer Pressemitteilung des Trägers betreut die gemeinnützige Gesellschaft aktuell 209 pflegebedürftige Menschen im Wetteraukreis, knapp die Hälfte davon in Nidda. Die Klientel ist überwiegend hochbetagt: Mehr als 60 Prozent sind älter als 80 Jahre, drei Viertel haben mindestens Pflegegrad 2. Fast 90 Prozent leben in Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten – oft ohne Angehörige, die kurzfristig einspringen könnten.

„Für diese Menschen bedeutet die Insolvenz vor allem eines: große Unsicherheit und Angst“, wird Gerhard Wolf, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Diakonie Dienstleistungen Wetterau, in der Mitteilung zitiert.

Preisdeckel trifft auf steigende Kosten

Die Ursachen der Zahlungsunfähigkeit liegen laut Träger in einer strukturellen Unterfinanzierung. Der Stundensatz für Betreuungsleistungen nach § 45 SGB XI sei in Hessen seit Oktober 2021 gesetzlich gedeckelt – ohne Anpassung bis Ende 2026. In derselben Zeit seien Löhne, Energie- und Sachkosten jedoch um 27 bis über 30 Prozent gestiegen. Hinzu kämen neue Tariftreuegesetze.

„Über einen Zeitraum von fünf Jahren keinerlei Anpassung zu ermöglichen, ist im Pflegebereich realitätsfern“, so Wolf. Bundesweit hätten allein 2025 insgesamt 431 ambulante Pflegedienste Insolvenz angemeldet.

Kreis unterstützt weiter – Stadt Nidda verweigert Zuschuss

Während der Wetteraukreis seinen kommunalen Zuschuss laut Trägerangaben in den Jahren 2024 und 2025 vervierfacht hat und auch für 2026 eine Beteiligung plant, fehlt die Unterstützung der Stadt Nidda. Dort hatten CDU und Bürgerliste einen erneuten Zuschuss von 30.000 Euro abgelehnt. In den beiden Vorjahren war dieser Betrag auf Antrag der SPD-Fraktion bewilligt und von den Pflegekassen verdoppelt worden.

Durch die Ablehnung sei eine Deckungslücke von rund 60.000 Euro entstanden, die weder durch Spenden noch durch Rücklagen geschlossen werden könne. Bereits 2023 habe der Träger Teile des Stammkapitals eingesetzt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Als gemeinnützige Organisation seien die Möglichkeiten zur Rücklagenbildung gesetzlich begrenzt, betont Wolf.

Träger weist Vorwürfe zurück

Kritik übt die Geschäftsführung an öffentlichen Darstellungen im Vorfeld der politischen Entscheidung. In der Berichterstattung sei fälschlich behauptet worden, die Diakonie betreue überwiegend Menschen mit Pflegegrad 1 oder arbeite wirtschaftlich unsauber. Beides sei nachweislich falsch und erschwere zusätzlich die Einwerbung von Spenden. Zur entscheidenden Ausschuss-Sitzung sei der Geschäftsführer nicht eingeladen worden.

Insolvenz als Chance?

Mit dem Insolvenzantrag gibt der Träger den Sicherstellungsauftrag formal an die Kommunen zurück. Wolf betont jedoch, dass die Insolvenz nicht zwingend das Ende bedeute: „Sie eröffnet auch die Möglichkeit, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden.“ Neben den 209 Pflegebedürftigen sind auch 48 gemeindenah eingesetzte Mitarbeitende betroffen, viele davon langjährige Bezugspersonen.

„Es wäre bitter, wenn ein Angebot, das seit Jahren funktioniert und vergleichsweise geringe öffentliche Mittel benötigt, an einer überschaubaren Finanzierungslücke scheitert“, so Wolf. „Es ist nicht mehr viel Zeit, das Schlimmste abzuwenden.“