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Deutscher Pflegerat sieht neun Leitlinien zum Umbau der Langzeitpflege

Der Deutsche Pflegerat hat ein Positionspapier zur Zukunft der Langzeitpflege vorgelegt. Darin formuliert die Fachkommission „Zukunft der Langzeitpflege“ neun Leitlinien, die einen grundlegenden Strukturwandel einfordern – weg von symptombezogenen Einzelmaßnahmen, hin zu einer personen- und familienzentrierten Versorgung. „Die Lage duldet keinen Aufschub“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. Das bisherige Vorgehen mit punktuellen Maßnahmen reiche nicht mehr aus.

Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats Foto: Christine Vogler

Das Positionspapier bündelt die Forderungen in neun Leitlinien, die laut Deutschem Pflegerat in Gesetzgebung, Finanzierung und Planung verankert werden sollen:

„Neun Leitlinien für eine zukunftsfähige Langzeitpflege

  1. Umbau der Strukturen hin zu professionell fundierten, nachhaltig finanzierten und wohnortnahen Versorgungslösungen: Pflege braucht verlässliche Strukturen. Versorgung muss fachlich und wissenschaftlich fundiert, nachhaltig finanziert und wohnortnah organisiert sein. Maßstab sind Qualität und Verlässlichkeit – orientiert an den tatsächlichen Bedarfen der Menschen. Dazu gehört eine bedarfsgerechte Planung mit klaren Zuständigkeiten und Verantwortung.
  2. Stärkung von Pflegebeziehungen, Selbstwirksamkeit und Lebensqualität durch verbindliche Zeitbudgets und Anerkennung von Beziehungsarbeit: Pflege stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Pflegebeziehungen fördern Selbstständigkeit und Lebensqualität. Gute und bedarfsgerechte Pflege aktiviert vorhandene Fähigkeiten und stärkt Sicherheit im Alltag. Dafür braucht Pflege verlässlich Zeit für Beziehung, Zuwendung und Begleitung, die strukturell vorgesehen,  entsprechend finanziert und anerkannt ist.
  3. Vernetzte und sektorenübergreifende Versorgung, die Kontinuität und individuelle Passung ermöglicht: Pflege wirkt dann, wenn sie zusammenhängend gedacht wird. Koordinierte und vernetzte Konzepte sorgen für Übergänge ohne Brüche. Versorgung muss zu den Lebenslagen der Menschen passen – nicht umgekehrt.
  4. Neue Wohn- und Versorgungsformen, die vertraute Lebenswelten, Teilhabe und Selbstbestimmung sichern: Menschen sollen dort leben können, wo sie sich zuhause fühlen. Wohn- und Versorgungsformen müssen soziale Teilhabe und Selbstbestimmung ermöglichen – im vertrauten Umfeld.
  5. Prävention und Gesundheitskompetenz, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und das System zu entlasten: Pflege beginnt früh. Prävention und Aufklärung helfen, Selbstständigkeit zu erhalten, Pflegebedarfe zu verringern und kritische Versorgungssituationen zu vermeiden. Präventive Angebote müssen frühzeitig, niedrigschwellig und gut erreichbar sein. Das entlastet Betroffene, Familien und das System.
  6. Aufbau sozialer Netzwerke, die Teilhabe, Resilienz und gemeinschaftliche Verantwortung fördern: Pflege ist eine gemeinsame Aufgabe. Starke soziale Netze fördern Teilhabe, Halt und Lebensqualität. Sie entlasten Familien und stärken die Versorgung vor Ort.
  7. Interprofessionelle Zusammenarbeit, die Pflegefachpersonen eine koordinierende Rolle und mehr Entscheidungskompetenz einräumt: Gute Pflege braucht gutes Zusammenspiel. Eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Berufe sichert eine abgestimmte Versorgung und vermeidet Informationsverluste. Pflegefachpersonen übernehmen dabei eine koordinierende Rolle und bringen ihre fachliche Entscheidungskompetenz verbindlich ein.
  8. Bildung und Professionalisierung, insbesondere durch Akademisierung und lebenslanges Lernen: Gute Pflege braucht Bildung. Sie reicht von der beruflichen Ausbildung über akademische Qualifikationen bis hin zu lebenslangem Lernen. Pflegefachpersonen müssen gut ausgebildet sein, um sicher und personenzentriert zu versorgen. Wer gut ausgebildet wird, muss seine Kompetenz auch einsetzen können. Bildung ohne Verantwortung ist eine Verschwendung von Ressourcen. Pflegefachpersonen sind ein zentraler Teil der primären Gesundheitsversorgung. Sie können Menschen dort beraten, begleiten und versorgen, wo sie leben. Dafür brauchen sie klare Aufgaben, Verantwortung und Handlungsspielräume.
  9. Sinnvoller Einsatz von Technik und Digitalisierung, der Beziehungszeit stärkt statt ersetzt und gleichzeitig Datenschutz und Qualität wahrt: Technik und Digitalisierung können Pflege unterstützen. Sie müssen sich am Menschen orientieren und Pflege ergänzen, nicht ersetzen. Ziel ist Entlastung – nicht neue Belastung.“

Der Deutsche Pflegerat positioniert das Papier als fachliche Ergänzung zu bestehenden Reformansätzen, unter anderem im Rahmen des Zukunftspakts Pflege. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und gesellschaftliche Veränderungen erhöhten den Handlungsdruck. Die Langzeitpflege sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die klare politische Weichenstellungen und verlässliche Investitionen erfordere.

„Pflege braucht Orientierung“, sagt Vogler. „Unser Positionspapier zeigt, worauf es ankommt.“

Das vollständige Positionspapier mit allen neun Leitlinien und weiterführenden fachlichen Empfehlungen steht auf der Website des Deutschen Pflegerats zum Download bereit.