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Niedersachsens Minister fordert faire Verteilung von Care-Arbeit

Anlässlich des Equal Pay Day 2026 drängt Niedersachsens Gleichstellungsminister auf bundespolitische Reformen und eine gerechtere Aufteilung von Sorgearbeit. Für die Pflegebranche mit ihrem hohen Frauenanteil hat das unmittelbare Relevanz.

Andreas Philippi
Niedersachsens Sozialminister Dr. Andreas Philippi Foto: Sascia Philippi

Der Equal Pay Day fiel in diesem Jahr auf den 27. Februar – symbolisch der Tag, bis zu dem Frauen rechnerisch unbezahlt arbeiten. Niedersachsens Gleichstellungsminister Dr. Andreas Philippi (SPD) nahm den Aktionstag zum Anlass, sowohl auf Fortschritte als auch auf anhaltende strukturelle Defizite hinzuweisen.

Lohnlücke wächst über das Berufsleben

Laut dem Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) liegt der bereinigte Gender Pay Gap – also der Verdienstunterschied bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie – in Niedersachsen stabil bei 5 Prozent. Damit schneidet das Land einen Prozentpunkt besser ab als der Bundeswert von 6 Prozent. Unbereinigt beträgt der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen 21,63 Euro, der von Männern 25,73 Euro – eine Differenz von 4,10 Euro.

Besonders aufschlussreich ist die Aufschlüsselung nach Alter: Unter 25-Jährige weisen den geringsten Verdienstunterschied auf. Mit steigendem Alter klafft die Schere immer weiter auseinander – bis zu 27 Prozent bei den 60- bis 64-Jährigen. Die Lohnlücke ist demnach keine Momentaufnahme, sondern verstärkt sich über das gesamte Berufsleben und mündet laut Philippi schlimmstenfalls in Altersarmut.

Teilzeit als Karrierebremse – und als Fachkräfteproblem

Philippi verwies darauf, dass Frauen nach wie vor wesentlich häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer, um Familie, Pflege und Beruf zu vereinbaren. Die Konsequenzen reichten von geringeren Karrierechancen über langsameren Vermögensaufbau bis hin zu niedrigeren Renten. Gleichzeitig liege darin ein ungenutztes Fachkräftepotenzial: Laut dem Minister wären 45 Prozent der Mütter bereit, ihre Arbeitszeit im Schnitt um 8,6 Wochenstunden zu erhöhen – sofern die betrieblichen Bedingungen familienbewusster gestaltet würden. Für die ambulante Pflege, in der Frauen die große Mehrheit der Beschäftigten stellen und Teilzeitquoten überdurchschnittlich hoch sind, ist diese Zahl besonders relevant.

Forderungen an den Bund: Ehegattensplitting und Elterngeld

Philippi erneuerte die niedersächsische Forderung, das Ehegattensplitting abzuschaffen und das Bundeselterngeldgesetz so anzupassen, dass stärkere Anreize für eine gleichmäßige Aufteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern entstehen. Zudem müsse die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Die Bundesregierung sei gefordert, dies schnell und konsequent in die Praxis zu überführen, damit Frauen in jeder Lebensphase wirtschaftlich unabhängig leben könnten.

Niedersachsen reformiert Gleichstellungsgesetz

Auf Landesebene kündigte Philippi eine Reform des Niedersächsischen Gleichstellungsgesetzes (NGG) an. Ziel sei es, die Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit für alle Beschäftigten unabhängig vom Geschlecht zu fördern und Benachteiligungen aufgrund von Care-Verantwortung aktiv zu verhindern. Außerdem solle Teilzeitbeschäftigung auch in Führungspositionen ermöglicht und gesellschaftlich akzeptiert werden. Philippi betonte: Elternzeiten und Care-Arbeit gleichberechtigt aufzuteilen sei auch 2026 noch keine Selbstverständlichkeit. Unternehmen forderte er auf, flexible Arbeitszeitmodelle anzubieten und überkommene Rollenbilder abzulegen.