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„Stimmungsmache gegen ambulante Pflegedienste“

„Prüfungsverweigerung und Abrechnungsbetrug – zwei Schlagwörter, die wieder einmal die gesamte Pflegebranche in Verruf bringen können oder sollen. Und die vom Politikversagen ablenken“, meint der Verein „Pflege am Limit!“.

Michael Wessel, Inhaber Pflege Wessel in Wuppertal und Erster Vorsitzender des Vereins Pflege am Limit Foto: Pflege Wessel

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) hat Ende Juli Zahlen veröffentlicht, nach denen ihr ein Schaden in Höhe von 5,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr durch Abrechnungsbetrug entstanden war. 4,1 Millionen Euro entfielen laut der KKH auf ambulante Pflegedienste und ihre „diversen Betrugsmaschen“. In einer Pressemitteilung auf der Webseite der KKH heißt es: „Damit führt dieser Gesundheitssektor wie in den Vorjahren die traurige Rankingliste betrügerischer Leistungserbringer mit großem Abstand an.“ Die KKH bezieht sich dabei auf 270 entdeckte Fälle.

Das ist nur ein kleiner Teil: Insgesamt zahlten die gesetzlichen Krankenversicherungen im vergangenen Jahr 312,3 Milliarden für Leistungen aus, so die KKH. Laut Statista gab es im Jahr 2023 15.549 ambulante Pflegedienste und 5,69 Millionen Pflegebedürftige.

Beinahe zeitgleich ist in der Presse von Prüfungsverweigerung zu lesen. Darauf hat Andrea Kapp, Bundesgeschäftsführerin des Bundesverbandes Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen, reagiert, und diesen Vorwurf als „tendenziös und einseitig“ zurückgewiesen. Auch Michael Wessel, Inhaber Pflege Wessel und Erster Vorsitzender des Vereins Pflege am Limit, spricht sich für einen gemäßigten medialen Umgang mit solchen Vorwürfen aus: „Es ist ja nicht so, dass Pflegedienste mit einer Verschiebung der Prüfung um einen oder zwei Tage Versäumnisse der vergangenen Monate aufarbeiten könnten.“ Es sei fern jeglicher Realität, etwas anderes dahinter zu vermuten als personelle Engpässe, wenn Mitarbeiter den Prüfern zur Verfügung stehen müssen, anstatt sich um Patienten zu kümmern.

„Für uns sieht das nach Stimmungsmache gegen ambulante Pflegedienste auf mehreren Ebenen aus. Den privat geführten Unternehmen werden pauschal Betrug und Verweigerungshaltung unterstellt, damit Leistungen und Budgets weiter gedeckelt werden können und Patienten sich wegen des aus solchen Meldungen resultierenden schlechten Images der Pflegedienste lieber von Angehörigen pflegen lassen.“ Dabei werde völlig außer Acht gelassen, dass immer mehr 80-Jährige ihren 85-jährigen Partner versorgen. „Wie soll das denn funktionieren?“ Dass sich kein Politiker dazu äußere, lasse vermuten: „Das kommt wie gerufen für die Politik.“ Denn diese Themen seien eine willkommene Ablenkung vom Politikversagen in der Pflege.