Unternehmen
Runder Tisch NRW: Aus Konkurrenten werden Verbündete
Es bleibt keine Zeit mehr – darüber sind sich alle einig. Finanzielle Reserven sind oftmals aufgebraucht, Privatvermögen wird zum Bezahlen der Löhne verwendet. Das Ende des eigenen Betriebs vor Augen, machten sich Unternehmer der Pflegebranche Luft beim Runden Tisch am 29. Feburar in Wuppertal.
Michael Wessel, Inhaber Pflege Wessel, hatte eingeladen – und diesmal kamen sie. Warfen Konkurrenzdenken und Stolz über Bord, zeigten stattdessen Einigkeit. Denn die privat geführten ambulanten Pflegedienste eint seit mehr als einem Jahr der Kampf ums geschäftliche Überleben – und das nach teilweise 30 oder 40 Jahren Selbstständigkeit. Der Tenor: Es geht nur gemeinsam. Und nur mit erheblichem Druck auf die Politik.
23 Unternehmer aus Hessen, Aachen, Münster sowie dem Wuppertaler und Mettmanner Gebiet sitzen an runden Tischen, dazu ein Vertreter des bpa, des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste. Der bpa ist einer der großen Verbände, zählt bundesweit rund 13 000 Mitglieder, etwa 2300 allein in NRW. „Wo waren Sie, als wir im Sommer 2022 davor gewarnt haben, dass die Tarifpflicht Unternehmen in die Insolvenz treiben würde?“, fragt Michael Wessel den bpa-Vertreter David Schulz.
In die Insolvenz deshalb, weil der Deckel der Pflegegrade seitdem immer noch nicht angehoben wurde, wohl aber Einzelleistungen nun teurer sind. Das geht auf Kosten der Pflegebedürftigen, denn es können nun entweder weniger Leistungen erbracht werden, oder die Pflegedienste zahlen drauf. „Und das geschieht überall“, sagt Knut Damerow, Lebensplus GmbH in Aachen. „Wir machen unsere Arbeit mit Herzblut für die Pflegeempfänger, wir können sie doch nicht allein lassen!“
Gemeinsam mit der Cura Ambulante Pflegedienste GmbH in Aachen hatten die Unternehmen am 21. Februar bereits einen Protesttag auf die Straße gebracht, der Runde Tisch in Wuppertal ist ein willkommenes Vernetzungstreffen. „Wir müssen mehr werden und schnellstmöglich zum Landtag Düsseldorf und nach Berlin“, so der Tenor der Anwesenden.
„Es geht nur auf der Straße – und allen muss das klar sein“, sagt Damerow.
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